energieeffizienzklassen haus

Erfahre hier, welche Maßnahmen bisher ergriffen wurden, um unsere Immobilien energieeffizienter zu machen und was uns zukünftig noch erwarten könnte.

Energieeffizienzklassen Häuser: Sind unsere Immobilien nachhaltig?

"Nur mit einem schnellen Umstieg auf erneuerbare Energien sind unsere Wohlstandsökonomien aufrechtzuerhalten." - Thomas Seltmann

Wenn es um Elektrogeräte geht, ist es heutzutage ein Leichtes, die Energieeffizienzklassen zu überblicken. Bereits bei der Kaufentscheidung weißt du dank Energielabel ganz genau, was du dir ins Haus holst und wie der Verbrauch deiner neuen Anschaffung aussieht. Im Falle von Immobilien gestaltet sich das ganze etwas schwieriger. Viele neue Gesetzesentwürfe wie das Gebäudeenergiegesetz sollen dabei helfen, die Klimabilanz unserer Häuser zu verbessern. Architekten und Planer sind sich allerdings einig, dass dies nicht reichen wird und fordern einen kulturellen Wandel. Wir liefern einen Überblick für alle Mieter und Hausbesitzer.

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GEG treibt Energieeffizienzklassen Häuser voran

Wer hierzulande ein altes Haus von Grund auf saniert oder gar ein gänzlich neues baut, der muss sich seit November 2020 mit einem neuen Maß an Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Energieeffizientes Bauen ist somit nicht länger wünschenswert, sondern verpflichtend geworden. Aus dem Energieeinsparungsgesetz, der Energieeinsparverordnung und dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz ist das Gebäudeenergiegesetz geworden, welches alle Gesetze und Verordnungen vereint und Niedrigstenergiegebäude somit als Standard voraussetzt. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, gibt es hier mehrere Beiträge des Presseportals zum Thema GEG.

Als Teil des Klimaschutzprogramms 2030 schafft das GEG eine Einheit, die alle Vorgaben der EU zur Gesamtenergieeffizienz von Häusern umsetzt und Bauherren dreimal überlegen lässt, ob sie weiterhin auf Öl- bzw. Kohleheizungen setzen sollen. Doch reicht dieses Gesetz wirklich aus, um starke Energieeffizienzklassen Häuser zu kreieren und die gewünschten Klimaziele zu erreichen?

Der Architekt als Antreiber der Energieeffizienzklassen Häuser

Roberto Gonzalo, ein Architekt aus München, betrachtet das GEG als nicht ausreichende Maßnahme und würde sich vielmehr einen kulturellen Wandel der Branche erhoffen. Nicht Gesetze, neue Materialien und Technologien allein sind die Triebfedern für nachhaltiges Bauen. Stattdessen verlagert sich der Fokus auf die Planer. "Der Architekt muss Nachhaltigkeit als Berufsethos betrachten und darf seine Fehler und Sorglosigkeit bei der Planung nicht durch Technologie kaschieren in der Hoffnung, dass neue Entwicklungen einen aus der Misere retten. Wir müssen zeigen, dass wir besser sind. Gute Architekten schaffen Neubauten mit Energieeffizienz von hoher Qualität".

Gonzalo engagiert sich für neue Impulse, die innerhalb der Architektenkammer, aber auch nach außen getragen werden sollen. Zusammen mit weiteren Unterstützern ist er der Meinung, dass die Notwendigkeit eines grundlegenden Wandels im Planungshandeln besteht, sobald Klimaschutz und Nachhaltigkeit auf den Plan treten. Mittels einer Initiative soll auch die Wahrnehmung der Kompetenz der Branche in der Öffentlichkeit gestärkt werden.

Eine Aufbruchstimmung in Bezug auf Energieeffizienzklassen Häuser ist deutlich wahrzunehmen. So sind Energieeffizienz und Nachhaltigkeit heutzutage stärker in der Architektur verwurzelt und bilden kein Nischensegment mehr. Eine stetig fortlaufende Bewegung ist definitiv festzustellen, nur ist die Richtung noch nicht die richtige. Wenn es um die Bekämpfung des Klimawandels und die Erreichung der gewünschten Klimaziele geht, hängt dies von der Entscheidungskraft der Bauherren ab. Hier spielen Faktoren wie die Höhe der Investition, die notwendig wäre, um eine hohe Energieeffizienz gewährleisten zu können, eine wichtige Rolle. Doch ein weiterer Faktor ist noch einschneidender: die Zulänglichkeit. Wenn es um die Bedürfnisbefriedigung der Verbraucher geht, müssen wir uns zukünftig die Frage stellen, wie viel Extravaganz wirklich zu ertragen ist, bis diese sich mit der verschlechterten Ökobilanz nicht mehr rechnet. Zwar gibt es eine Menge Alternativen, aber werden diese auch angenommen?

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Energieeffizienzklassen Häuser oder doch nur Greenwashing?

Der Schlüssel dazu, Käufern nachhaltige Baupläne schmackhaft zu machen, liegt in den Händen von Architekten und Experten. Beim Verkauf oder bei größeren Sanierungen müssen Immobilienbesitzer jetzt eine "verpflichtende Energieberatung" akzeptieren. Das geht nur, wenn Bauherren wissen, welche Planer unermüdlich auf ganzheitliche Nachhaltigkeitsinitiativen hinarbeiten, anstatt ihre Projekte nur mit Greenwashing anzupreisen, das meist nur leere Versprechungen vorweisen kann und Interessenten gekonnt in die Irre führt.

Um wirklich erfolgreich zu sein, muss die Zunft zusammenkommen. "Entscheidend für einen Kulturwandel wird sein, dass Bauherren und Investoren klar erkennen können, welche Planer nur Greenwashing betreiben oder tatsächlich ganzheitliche Nachhaltigkeit in der Planung umsetzen", sagt Michael Joachim von NEST Ökoarchitektur - einem Architekturbüro, das sich nicht nur auf die Umsetzung, sondern auch auf die Aufklärung über umweltfreundliche Bauweisen spezialisiert hat.

Ganzheitlich nachhaltige Gebäude sind mehr als nur ein Haus mit umweltfreundlichen Merkmalen. Sie sind ganzheitlich konzipiert und beziehen die Umwelt von der Planung bis zum Lebenszyklus mit ein - und darüber hinaus. Das bedeutet, dass man sich nicht nur um die Bau- und Betriebskosten kümmert, sondern auch darum, wie die Materialien entstehen und wohin sie gehen, wenn sie in deinem Haus oder Büro verbraucht sind; welche Transportwege während der Lebensdauer des Gebäudes auftreten (falls überhaupt); ob ein Rückbau jederzeit möglich ist, ohne die Nachhaltigkeitsziele zu gefährden... Die Liste ließe sich endlos fortsetzen, denn sie umfasst alle Aspekte, die sich auf die Umwelt auswirken können. Deckt die Beratung all diese Aspekte ab, sind Auftraggeber Erfahrungswerten zu urteilen, eher bereit, mehr als nur den gesetzlich geforderten Mindeststandard baulich umzusetzen.

GEG liefert keine konkreten Maßnahmen zur gewünschten Energieeffizienz

"Leider bleibt das neue GEG hinter seinen Möglichkeiten zurück", sagt Joachim. "Wenn wir als Gesellschaft die Klimaziele erreichen wollen, die sich die Regierungen überall auf der Welt gesetzt haben, müssen mutigere und zwingende Rahmenbedingungen geschaffen werden - und diesen Mut sehe ich im aktuellen Gebäudeenergiegesetz leider nicht."

Die neue deutsche BEG-Politik bietet umfangreiche Subventionen für energieeffiziente Gebäude, insbesondere für bewohnte Gebäude. Die Bundesregierung will den Primärenergiebedarf im Vergleich zu 2008 um 80% senken. Für private Bauherren bedeutet das, dass sie bis zu 75.000 Euro erhalten können, wenn ihr Projekt den Effizienzhaus 40-Standard erfüllt; individuelle Sanierungsvorhaben können ebenfalls gefördert werden, wenn geringere Mengen erreicht werden.

Das GEG-Effizienzhaus 40 gilt als die Blaupause für energieeffizientes Bauen. Es benötigt nur 40 % der Primärenergie, um ein optimales Leistungsniveau zu erreichen, was sich mit den Anforderungen des deutschen Gesetzes von 2009 deckt, das für alle neuen Gebäude eine Effizienz von mindestens 75 % vorschreibt; allerdings gibt es derzeit keine Möglichkeit - nur Bauherren und Architekten können diese Lücke schließen, indem sie sich über die emissionsfreien Quadratmeter eines Gebäudes bewusst werden und sind damit die letzte Hoffnung auf Energieeffizienzklassen Häuser.

Das Bundesministerium des Innern für Bau und Heimat (BMI) hat mehrere Klauseln im GEG formuliert, die eine bessere Einhaltung durch Bauherren ermöglichen. Zum Beispiel wird es Ende 2025 möglich sein, die "gemeinsame Erfüllung" von Änderungswünschen einer Gebäudeeinheit durch eine Vereinbarung oder eine gemeinsame Wärmeversorgung über Nachbarschaftsgrenzen hinweg sicherzustellen - und damit gemeinschaftsbasierte Konzepte wie dieses zu stärken.

Fazit

Wie steht es also nun um die Energieeffizienzklassen Häuser? Die Zukunft des Bauens ist ungewiss, da wir immer noch nicht wissen, wie wir Nachhaltigkeit messen können. Es gibt nun einmal keinen Energieausweis, der Antworten auf die Grenzwerte und den Zustand deiner Immobilie in puncto Nachhaltigkeit gibt. Außerdem wurde bisher kaum berücksichtigt, dass der gesamte Lebenszyklus in eine Bewertung einfließt, die alle Aspekte von der Produktion über den Transport bis hin zur Entsorgung oder zum Recycling umfasst - ein Baumaterial, das wiederverwendet werden kann, beantwortet zwar einige Fragen, nicht aber andere, z.B. wo es hergestellt wurde oder was passiert, wenn man die einzelnen Einheiten für die Wiederverwendung zerlegt. Zu Häusern mit hoher Energieeffizienz ist es also noch ein langer Weg und das Ziel wird nur erreicht werden können, wenn alle Beteiligten noch eine Schippe drauflegen.