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Finde heraus, wie tierische Produkte wie Lanolin und Talg in deine Hautpflegeprodukte gelangen, wie sie verwendet werden, warum manche Unternehmen sie einsetzen und welche Alternativen es heute gibt.

Tierische Inhaltsstoffe in der Kosmetikindustrie

Was ist denn der Unterschied zwischen veganer Kosmetik und Naturkosmetik?

Der Unterschied zwischen beiden Kosmetikbereichen ist relativ klar. Während die Naturkosmetik pflanzliche und tierische Inhaltsstoffe aufweist, enthält die vegane Kosmetik keine Spuren von tierischen Produkten. Sie ist also frei von tierischen Substanzen wie Honig, Fett oder sogar Milch. Vegane Kosmetikartikel beinhalten ausschließlich pflanzliche Stoffe und sind daher im direkten Vergleich deutlich nachhaltiger im Gebrauch der jeweiligen Rohstoffe.

"Zwar müssen in Deutschland die Inhaltsstoffe von Pflegeprodukten und Kosmetika auf der Packung angegeben werden, doch oft sind die Bezeichnungen kryptisch, abgekürzt oder auf Englisch oder Latein." — Eva Gnädig

Woran erkenne ich, ob meine Kosmetika tierische Stoffe enthalten?

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Zu erkennen, ob die ansprechende Gesichtscreme oder gut riechende Seife auch mit Hilfe von tierischen Produkten hergestellt wurde, ist gar nicht so leicht. Zwar kommuniziert die EU für ihre Mitgliedsländer eine klare Pflicht zur Angabe jeglicher Inhaltsstoffe, jedoch können die unterschiedlichen Namen und Fachbegriffe für die Gesellschaft nicht immer direkt mit einem Tier assoziiert werden. Beispielsweise fallen oft Namen wie "Elastin", "Kollagen" oder sogar "Lanolin". Dass diese Begriffe für ein Talgdrüsensekret von Schafen oder der Gewebe Substanz von Rindern als auch Schweinen stehen, hätte man beim Einkauf und Lesen der Verpackungsvorlage eventuell nicht verstanden. Daher steigt der Bedarf an Aufklärung langfristig, um jedem Verbraucher die Möglichkeit zu geben, Informationen über die meist kryptischen Beschreibungen zu erhalten. Neben der präzisen Nutzung von tierischen Substanzen werden oft enorme Mengen an Schlachtabfällen für die gesamte Kosmetikindustrie verwendet.

Die PETA hat eine Liste mit sehr vielen tierischen Inhaltsstoffen in Kosmetikartikeln erstellt und veröffentlicht. Wir möchten dir in den folgenden Absätzen ein paar dieser Inhaltsstoffe genauer vorstellen. Für eine detaillierte Auflistung empfehlen dir die gesamte Liste der PETA.

Gelatine

Gelatine ist höchstwahrscheinlich ein Begriff, den jeder von uns zumindest in der Verbindung zu Gummibärchen und anderen Süßigkeiten schon mal gehört hat. Es ist aber nicht nur in der Lebensmittelindustrie eine häufig genutzte Ressource, denn auch in Gesichtsmasken findet es seinen Einsatz. Dieser Stoff wird allerdings nicht durch pflanzliche Substanzen gewonnen, sondern hauptsächlich tierischen Knochen und Bändern entnommen.

Guanin

Das sogenannte Guanin wird oft bei Nagellack oder Lidschatten eingesetzt. Dabei sollte man wissen, dass es sich um ein Effektpigment handelt, das primär aus Fischschuppen gewonnen wird und dann im Anschluss für die aufgezählten Produkte genutzt wird. Auch bei Guanin handelt es sich um einen starken und außergewöhnlichen Tierbezug.

Chitin/Chitosan

Chitin, oder nach der chemischen Prozess auch Chitosan genannt, ist ein Stoff, der durch die Panzer von Insekten und Schalentieren gewonnen wird und im Anschluss für die Produktion von Feuchthaltemitteln genutzt wird.

Diese beispielhaft aufgelisteten Substanzen zeigen auf, dass enorm viele unterschiedliche Tiere für die Produktion jeglicher Kosmetika eingesetzt werden. Zusätzlich wird das Problem bereits deutlich, dass nicht nur Tierversuche in der Kosmetik ein großes Problem widerspiegeln, sondern auch die generelle Nutzung und anschließende Tötung von Tieren für konventionelle Schönheitsartikel.

Welche Gründe gibt es für die Nutzung tierischer Substanzen?

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Verbraucher von Produkten aus der Schönheitspflege haben gewisse Bedürfnisse wie die Konstanz der Qualität. Große Hersteller geben als Erklärung für die Nutzung tierischer Produkte mehrheitlich an, dass diese Substanzen zu einer guten Stabilität beitragen und so für eine hohe Kundenzufriedenheit sorgen. Zum anderen ist ein weiterer großer Bestandteil ihrer Aussagen, dass es fehlende Alternativen für die Herstellung der speziellen Kosmetika gibt. Zu diesen Herstellern gehören beispielsweise L´Oréal und DM. Auch der mögliche Gedanke, dass die Nutzung tierischer Produkte gesundheitsbedenklich ist, kann laut Experten verworfen werden, da in der Kosmetikindustrie eine hohe Reinheitsanforderung herrscht.

Vegane Kosmetik als moderne Alternative

In der Kosmetikindustrie ist seit mehreren Jahren ein gewisser Wandel zu spüren und es werben viele Marken mit "tierlosen" veganen Kosmetikprodukten. Grund dafür ist einerseits die Entwicklung der Gesellschaft, denn das Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit und Tierwohl ist exponentiell gestiegen. Nicht nur bei der Ernährung steigen viele Menschen auf vegane Lebensmittel um, auch in der Schönheitspflege ist diese Veränderung angekommen. Die Nachfrage an veganen Produkten ist signifikant gestiegen. In Zahlen gaben alleine im Jahr 2020 Menschen weltweit 12,7 Milliarden Euro für vegane Kosmetik aus. In Relation zum gesamten Marktvolumen in Höhe von 213 Milliarden Euro ist das natürlich noch relativ überschaubar, jedoch spiegeln die Zahlen mehr Bereitschaft für den Erwerb veganer Alternativen wider. Primäre Gründe dafür sind die Abneigung gegenüber tierischen Inhaltsstoffen [Fette, Schuppen und Schalen] auf der eigenen Haut als auch der Drang die Tiere zu schützen und vor Leid zu bewahren.

Woran erkenne ich vegane Kosmetikartikel?

Es gibt mehrere Hinweise dafür, dass ein Artikel vegan und somit frei von tierischen Inhaltsstoffen ist. Zum einen ist es natürlich der Schriftzug "Vegan", der bereits darauf aufmerksam macht, dass das jeweilige Produkt auf Basis pflanzlicher Substanzen hergestellt wurde. Zum anderen gibt es verifizierte Siegel, die auf den jeweiligen Verpackungen platziert sein können. Beispielsweise gibt es zwei Siegel, die für den Verzicht von toten Wirbeltieren und chemischen Inhaltsstoffen stehen. Dabei handelt es sich sowohl um das Cosmos-Siegel als auch um das Natrue-Siegel.

In diesem Kontext ist es wichtig zu beachten, dass ein veganer Artikel aus der Kosmetikindustrie nicht automatisch auch frei von Tierversuchen ist. Zwar werden in der veganen Kategorie Tiere nicht für Cremes, Make-up und andere Produkte verwendet, jedoch können vorherige Tierversuche die Gültigkeit des Artikels für den Markt bestimmt haben. Daher sollte man sich nicht nur über den jeweiligen Inhaltsstoff informieren, sondern auch über mögliche Tierversuche in Assoziation zum Produkt. Als Hilfestellung dient hierbei das V-Label der "European Vegetarien Union", das nur benutzt werden darf, wenn der individuelle Gegenstand auch wirklich frei von Tierversuchen ist.

Beinhaltet vegane Kosmetik trotzdem bedenkliche Inhaltsstoffe?

Die Antwort auf diese Frage kann nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantwortet werden. Vegane Produkte aus der Kosmetikindustrie könnten wenig problematische Tenside bis hin zu bedenklichen Stoffen wie Mikroplastik oder Konservierungsmittel enthalten. Trotz des hohen Potenzials veganer Kosmetik liegt die Empfehlung nahe zu schauen, welche Inhaltsstoffe tatsächlich mit dem Produkt in Verbindung stehen, bevor man sich für den Kauf entscheidet.

Ausblick

Wer sich entscheidet, Kosmetikartikel für den Körper und das eigene Wohlsein zu kaufen, sollte sich mit dem Produkt vertraut machen. Es ist wichtig, die Balance zwischen eigenem Empfinden, dem Tierschutz und der langfristig wichtiger werdenden Nachhaltigkeit zu halten. Weitere Informationen und Inhalte rundum tierische Inhaltsstoffe findet ihr auch beim GEO.