tierversuche
Kosmetikunternehmen verwenden seit Jahren Tierversuche, aber es gibt inzwischen humanere und zuverlässigere Methoden, um Produkte zu testen. Erfahre, was du tun kannst, um diese grausame Praxis zu beenden.
Tierversuche bei Kosmetik – Heute noch ein Thema?
„Die Geschichte der Krebsforschung ist eine Geschichte der Heilung von Krebs bei Mäusen. Seit Jahrzehnten heilen wir Krebs bei Mäusen, aber bei Menschen hat es einfach nicht funktioniert.“ – Dr. Richard Klausner
Werden Tiere immer noch für den Test von Kosmetikprodukten benutzt?
Die Antwort ist ja. Zwar gibt es seit 2013 ein umfassendes und klar kommuniziertes Verbot für Tierversuche bei Kosmetik in der EU, jedoch liegen einige Limitationen vor, die das Verbot maßgeblich beeinflussen. Unter anderem gilt dieses Verbot nur für neue Produkte und Inhaltsstoffe, d.h. ältere Kosmetika können weiterhin durch Tierversuche getestet und im Anschluss verkauft werden, ohne dass die Zulassung gefährdet ist. Ein weiteres großes Problem mit der Umsetzung des Verbotes zeigt auf, dass es nur bei Inhalten greift, die ausschließlich für kosmetische Vorhaben produziert werden. Sobald einer dieser Inhaltsstoffe auch für andere Bereiche und Produkte genutzt wird, beispielsweise in der Pharmazie oder Reinigung, gilt das Verbot nicht. Insgesamt werden in ungefähr 80% aller Länder dieser Erde Tierversuche als Option zur Testung von kosmetischen Produkten eingestuft. In vielen der Länder, in denen Tierversuche strafrechtlich nicht verfolgt werden, gibt es zwar erste Entwürfe, jedoch werden diese in politischen Gremien verworfen oder treffen nicht den mehrheitlichen Anklang.
Wo sind Tierversuche verboten?
Die Emotionalisierung und Wahrnehmung gegen die Nutzung von Tieren für die Entwicklung von Kosmetikartikel erlebt nur teilweise einen Durchbruch. Erste gute Ansätze, wie das EU-weite Tierversuchsverbot seit 2013 oder das in Deutschland geltende Verbot von Tierversuchen für die Testung dekorativer Materialien seit 1986, decken nur einen Teil der gesamten Branche. In vielen großen Ländern wie den USA, Kanada oder Russland gibt es keine gesetzlichen Verabschiedungen für ein klares Verbot von Tierversuchen. In China schreibt die Regierung sogar für vereinzelte Kosmetikartikel Tierversuche vor, um eine Risikobewertung zu gewährleisten. Dazu kommt, dass Kosmetik für die Länder oftmals unterschiedlich definiert wird. So werden gewisse Produkte in Europa als Kosmetikartikel verstanden, während sie in Asien als Arzneimittel wahrgenommen werden. Dadurch wird bereits ersichtlich, dass der große globale Durchstoß im Bereich Tierversuche bei Kosmetik noch ausbleibt und Tiere weiterhin für die dazugehörigen Chemikalien benutzt werden.
Wie viele Tiere sterben jährlich durch Tierversuche bei Kosmetik?
Offiziellen Zahlen zufolge sterben weltweit 115 Millionen Tiere an Tierversuchen. Die Dunkelziffer wird dabei sogar deutlich höher bewertet, da große Mengen an Experimenten nicht statistisch dokumentiert werden. Folgende Tiere sind davon betroffen:
- Meerschweinchen
- Hamster
- Mäuse
- Ratten
- Katzen
- Hunde
und viele mehr. Dabei handelt es sich primär immer um Wirbeltiere, bei denen die Ergebnisse besser übertragen werden können. Neben der hohen Sterberate fällt die generelle Lebensqualität dieser Tiere sehr negativ aus. Als Garant dafür dienen Käfighaltung, unzureichende Ernährung und kontinuierlich einsetzende Schmerzen.
Wenn ihr mehr zu den Zahlen lesen möchtet, empfehlen wir euch den Artikel von Ethik.Guide.
Alternativen Methoden zu Tierversuchen
Welche Varianten von Tierversuchen gelten und welche alternativen Methoden anerkannt werden, bestimmt die sogenannte "Gesellschaft für Organisationen für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung", auch bekannt unter der Abkürzung OECD. Bei vielen der Experimente für die Kosmetikbranche geht es um die Sicherheit des menschlichen Körpers, genauer betrachtet um Reaktion der Haut und Augen. Bisher wurden dabei Flüssigkeiten oder feste Inhaltsstoffe des jeweiligen Kosmetikprodukts auf die Augen und Häute der Tiere getropft und injiziert. Durch den Fortschritt, auch in der Kosmetik, können Gewebestrukturen durch den Einsatz von menschlichen Zellen nachkonstruiert werden. Dadurch sind Ergebnisse im Umgang mit Chemikalien für die Schönheitspflege noch repräsentativer. Dementsprechend helfen alternative, zukunftsweisende Verfahren nicht nur bei der Reduzierung von Tierleid, sondern sind ebenfalls für die generelle Entwicklung von Kosmetik attraktiver. Während Ergebnisse durch Tiere nur schlecht auf den Menschen übertragen werden können, liefern alternative Methoden durch den Einsatz menschlicher Zellen präzise Informationen.
Alternativmethoden zu Tierversuchen
Neben Tierversuche bei Kosmetik zählen zu den bekanntesten Alternativen Zellkulturen und bildgebende Verfahren. Mit Zellkulturen lassen sich fast alle Varianten von menschlichen Körpergeweben rekonstruieren, so dass Chemikalien und kosmetische Inhaltsstoffe effizient und kostengünstig getestet werden können, ohne dabei ein Lebewesen zu gefährden. Mit Hilfe von bildgebenden Verfahren können menschliche Krankheiten und ihre Verläufe visuell und sicher begleitet werden. Hierbei werden Ausprägungen in Echtzeit verfolgt und veraltete Methoden, wie das künstliche Injizieren von Krankheiten bei gesunden Tieren, verfällt.
Besonders im Kontext Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung zeigen diese beiden Methoden auf, dass die Möglichkeit zur Distanzierung von Tierversuchen auch in der Kosmetikindustrie gegeben ist und sich langfristig nicht nur als Alternative etablieren wird. In diesem Kontext kann auch der Mythos "Die Kosmetikindustrie präferiert das Testen an Tieren" widerlegt werden. Die Branche fordert selbst die Entwicklung und zeitnahe Akzeptanz von Alternativmethoden, denn so sparen sie enorm viel Geld und generieren schneller valide Ergebnisse. Ein momentanes Hindernis bis zur langfristigen Nutzung dieser Methoden ist lediglich die Zeit. Es müssen erst noch Standards und Regularien für die Nutzung definiert und verabschiedet werden, bevor der Markt diese für die individuelle Testung von Chemikalien und Inhaltsstoffe einsetzen darf.
Daraus resultierend bleibt die Thematik rund um Tierversuche bei Kosmetik eine ethische und emotional aufgeladene Herausforderung mit vielversprechenden Lösungsansätzen, bei denen es nun gilt, diese schnellstmöglich als Standard anzubieten, damit die Zahl an sterbenden Tieren für die Herstellung von Kosmetikprodukten signifikant reduziert wird. Infolgedessen werden die nächsten Jahre, auch auf politischer Ebene, entscheidend für die generelle Ausrichtung in diesem Umfeld.
Gibt es Kosmetikunternehmen, die nicht an Tieren testen?
Da Nachhaltigkeit eines der bedeutsamsten Themen des 21. Jahrhunderts ist, gibt es zahlreiche Betriebe, die das Umweltbewusstsein als wichtige Eigenschaft mit in ihre Strukturen übernommen haben! Daher gibt es mittlerweile auch sehr viele Unternehmen, die sich klar von Tierversuchen distanzieren und auf ethische Normen setzen. Unter anderem hat die PETA eine Liste mit Unternehmen erstellt, die im Bereich Kosmetik frei von Tierversuchen sind.